Tines Collegeblog
Samstag, 31. Mai 2008
London

Hallo,
ja, mich gibt es auch noch, leider ging die letzten zwei Wochen mein Internet nicht, deswegen konnte ich nichts schreiben. Die Zeit vergeht hier echt wie im Flug.
Letzte Woche war ich von Mittwoch bis Freitag in London. Nach zwei Stunden Busfahrt und Treffen an der Victoria Coach Station mussten wir erst einmal unser Gepäck in das Hotel bringen, das etwa 30 Minuten mit der Tube auswärts lag. Dort angekommen dann der Schock, irgendwas war wohl schief gegangen, jedenfalls wurden wir in das Restaurant geschickt und sollten dort auf unsere Schlüssel warten. Das haben wir dann auch getan, ungefähr eine Stunde...naja, wenn man schon ein billiges Hotel bucht, darf man sich auch nicht beklagen. Dann bekamen wir unseren Schlüssel und zu unserer Überraschung war das Doppelzimmer eine kleine Wohnung mit 6 Schlafmöglichkeiten. Außer einer dreckigen Tischdecke war es sogar recht ordentlich.
Dann gings wieder zurück in die Innenstadt, zu einem kleinen Spaziergang die Themse entlang: zunächst zum Tower, dann über die Tower Bridge und auf der anderen Seite zurück vorbei am nachgebauten Shakespeare Theater, dem London Eye und wieder über die Themse zur House of Parliament und zur Westminster Abbey. Dann gings müde zurück ins Hotel, mit einem kleinen Zwischenstopp bei Burger King, denn auf Restaurant hatten wir keine Lust.
Am nächsten Tag nach dem Frühstück gings rechtzeitig los, um den berühmten Wachwechsel am Buckingham Palace nicht zu verpassen. Dort war auch schon alles abgesperrt und Massen an Touris warteten gespannt. Die Polizei war mit mehreren Reitern anwesend und wir dachten schon, es wäre etwas Besonderes los. Irgendwann konnte man dann aus der Ferne Blasmusik hörten und eine ganze Kompanie "Bärenfellmützen" marschierte die Straße hinunter. Eine zweite kam aus einer anderen Richtung und die Horseguards ritten vorbei. Vor dem Palast haben sie sich dann alle versammelt, abwechselnd Musikstücke gespielt und sind schön brav hin und her marschiert. Den tieferen Sinn hab ich nicht so ganz verstanden,aber es war lustig zuzuschauen.
Nach dem Wachwechsel sind wir dann durch den Hyde Park gelaufen, haben im ROsengarten Lunch Pause gemacht und haben bei Speaker's Corner vorbei geschaut, wo leider keiner seine Meinung mitteilen wollte. Per Tube gings dann zum Kensigton Palace und von dort durch den umliegenden Park zurück, vorbei am Albert Memorial und der Royal Albert Hall, wo der Dalai Lama wohl an dem Tag einen Vortrag halten sollte. Jedenfalls konnten wir eine Demo gegen (!) ihn und ein paar tibetische Flaggen sehen und viele Menschen, die schön in der Schlange vor dem Eingang warteten.
Ich wollte dann unbedingt zu Harrod's und dort haben wir uns die Essensabteilung angesehen, mehrere Räume für Fleisch, Fisch, Süßigkeiten, Obst und Gemüse...nicht schlecht! Aber etwas zu teuer. Wir waren dann lieber im Sainsbury einkaufen für einen kleinen Nachmittagssnack.
Um 5 Uhr wollte ich dann unbedingt zum Abendgottesdienst in Westminster Abbey, weil man so hineinkommt, ohne die wuchernden Eintrittspreise zu zahlen. ;-) Die Idee hatten noch mehrere, leider hatten wir vergessen, dass es ja Fronleichnam war und deswegen kein einfacher Gottesdienst sondern Eucharistiefeier. Der Ablauf bei der Anglikanischen Kirche unterscheidet sich allerdings nicht wirklich von dem katholischen.
Danach ging es dann nach Soho, wo man laut Reiseführer viele nette Restaurants findet. Wir haben uns dann für eine Pizzeria entschieden, wo man den Pizzabäckern beim Backen zusehen konnte. Danach ging es wieder müde zurück ins Hotel.
Am Freitag mussten wir ja mit Gepäck zurück in die Stadt, also war außer einem kleinen Zwischenstopp im British Museum für mich nicht viel mehr drin und um 2 Uhr haben wir dann den Bus zurück nach Cambridge genommen. Genau bei unserer Abfahrt fing es dann auch an zu regnen. Glück gehabt!
So viel zu den Tagen in London, mehr von der letzten Woche dann später! Fotos folgen auch!
Tine

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Sonntag, 18. Mai 2008
Lab week

Hallo,
meine erste vollständige Woche im Labor ist nun vorbei und ich denke, so langsam kann ich auch selbstständig arbeiten und finde alle Sachen, die ich so suche.
Leider ist mein einer Ansatz trocken gelaufen beim Extrahieren, also muss ich alles noch mal machen. Naja, darasu kann man nur lernen nicht über Nacht zu extrahieren.
Gestern war hier eher englisches Wetter, also hab ich mich mit einer anderen Deutschen, die ich am Mittwoch beim German Meet Up kennengelernt habe, getroffen und wir haben uns das Fitzwilliam Museum angesehen. Eigentlich wollten wir lieber in die zoologische Sammlung gehen, aber die hat schon um 1 Uhr wieder zu gemacht. Dort kann man nämlich Darwins Mitbringsel von der Reise mit der Beagle sehen. Das holen wir sicher nach!
Heute ist es im Moment trocken und wenn es so bleibt, steht der Botanische Garten auf dem Programm.
Das wars auch schon, Fotos aus dem Lab und andere gibt es hier.
Einen schönen Restsonntag
Tine

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Mittwoch, 14. Mai 2008
Ely und Formal Dinner

So,
hier ist nun auch der Bericht von meinem letzten Wochenende.
Bei wirklich strahlendem Wetter habe ich mich am Samstag mit der Bahn in das 20 Minuten entfernte Ely aufgemacht. Die Bahnfahrt war etwas abenteuerlich, da die hier privatisierte Bahn doch nicht mit unserer zu vergleichen ist, man stelle sich einen sehr schmalen Zug vor, der vor sich hinzuckelt durch Rapsfeldern und Wiesen hindurch.
Ely ist wegen seiner Kathedrale berühmt, die dort von William, dem Eroberer gebaut wurde. Nach einem Spaziergang durch die kleine Stadt über den Markt und einem Picknick vor der Kathedrale habe ich mir diese dann auch von innen angesehen.

Sehr beeindruckend ist vor allen Dingen der Oktagon-Turm, also ein Achteck, in der Mitte der Kirche. Die Fotos zeigen ihn von außen und von innen (mehr Fotos gibts wie immer durch Klick auf die Bilder). Ein knuffiger älterer Mann hat uns dann durch die Kathedrale geführt und uns über eine Stunde deren Bauweise erklärt und nette Anekdoten erzählt. So wusste er auch die Besonderheiten sämtlicher britischer Kirchenbauten und streute diese immer wieder ein. Außerdem war die Kathedrale in letzter Zeit auch öfters als Filmset z.B. in dem neuesten Film über Elisabeth I. zu sehen.
Den Nachmittag habe ich an dem Fluß "Great Ouse" verbracht, mir die netten kleinen Hausboote angesehen und bei einem Eis die Sonne genossen.
Zurück in Cambridge ging es dann auf Einladung eines anderen deutschen Studenten hier zu einem Formal Dinner im ältesten College Peterhouse. Das muss man sich so vorstellen: In der Hall sitzen vor Kopf an einem Tisch die Fellows des Colleges, in Reihen senkrecht dazu die Studenten an langen Tischen. Bei einer Formal Hall muss man sich schick anziehen, Männer auf jeden Fall in Anzug und mit Krawatte und alle Studenten des Colleges müssen die "Gown", eine schwarze Robe, anziehen. Normalerweise wird zunächst ein Gebet gesprochen, auch mal auf Latein, dann gibt es ein Drei-Gänge-Menü.
Das Dinner, bei dem ich war, war da etwas lockerer, weil keine Fellows anwesend waren. Wir waren mit einer großen deutschen Gruppe dort und ich konnte den Brauch des "Pennyen" kennenlernen, bei dem man eigentlich heimlich (da es verboten ist) einen Penny in sein Weinglas geworfen bekommt, das man dann auf Ex trinken muss. Dann kann man die Queen auf dem Penny vor dem Ertrinken retten. Aufgrund fehlender Fellows und so fehlender Disziplin machten gleich mehrere Pennys die Runde, so dass mein Nachbar schon sehr bald sämtlichen Wein in der Nähe geleert hatte. Nach dem Dinner haben wir dann noch einige Collegebars unsicher gemacht. Auf jeden Fall muss ich noch mal zu so einem Dinner gehen, wenn es auch richtig "streng" zugeht.
Am Sonntag war dann nicht so viel los, beim Einkaufen (ja, die Geschäfte haben auch am Sonntag auf hier) bin ich an der Cam auf eine kleine Ruderregatta gestoßen, die ich mir dann auch gleich mal angesehen haben. Verschiedene Ruderclubs von Stadt und den Colleges sind dort angetreten, immer zwei gegeneinander, denn für mehr reicht der Platz auf der Cam auch nicht. Und so manches Rennen wurde durch eine Kollision entschieden.
Jetzt geht die Laborwoche wieder los und ich hatte nach einem ganz erfolgreichen Tag gestern (für die Chemiker: meine Soxhlett-Extraktion übers Wochendende hat funktioniert) heute einen Rückschlag: mein Vakuum war total schlecht, die Pumpe tats aber noch und wir konnten keine undichte Stelle in der Line finden. Wir dachten schon, das elektronische Manometer sei kaputt und haben so ein Quecksilberteil aus dem letzten Jahrhundert hervorgeholt. Pustekuchen! Naja, im Endeffekt hab ich doch eine neue Pumpe bekommen und wir vermuten, dass die alte nicht konstant gepumpt hat. Außerdem hab ich ein seltsames NMR bekommen, das ein H-Signal bei ca. 15 (!) ppm aufweist. (Falls irgendwer Ahnung hat, was das sein könnte, bitte melden, ich vermute ja eine komische Wasserstoffbrückenbindung). In Münster wüsste ich, wen ich fragen müsste ;-).
Neben dem "easy organic stuff" mache ich mittlerweile auch "richtige" Chemie unter Argon und in der Glovebox.
Und nächste Woche geht es nach London, aber davon später mehr.
Bis dann
Tine

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