Tines Collegeblog
Mittwoch, 14. Mai 2008
Ely und Formal Dinner

So,
hier ist nun auch der Bericht von meinem letzten Wochenende.
Bei wirklich strahlendem Wetter habe ich mich am Samstag mit der Bahn in das 20 Minuten entfernte Ely aufgemacht. Die Bahnfahrt war etwas abenteuerlich, da die hier privatisierte Bahn doch nicht mit unserer zu vergleichen ist, man stelle sich einen sehr schmalen Zug vor, der vor sich hinzuckelt durch Rapsfeldern und Wiesen hindurch.
Ely ist wegen seiner Kathedrale berühmt, die dort von William, dem Eroberer gebaut wurde. Nach einem Spaziergang durch die kleine Stadt über den Markt und einem Picknick vor der Kathedrale habe ich mir diese dann auch von innen angesehen.

Sehr beeindruckend ist vor allen Dingen der Oktagon-Turm, also ein Achteck, in der Mitte der Kirche. Die Fotos zeigen ihn von außen und von innen (mehr Fotos gibts wie immer durch Klick auf die Bilder). Ein knuffiger älterer Mann hat uns dann durch die Kathedrale geführt und uns über eine Stunde deren Bauweise erklärt und nette Anekdoten erzählt. So wusste er auch die Besonderheiten sämtlicher britischer Kirchenbauten und streute diese immer wieder ein. Außerdem war die Kathedrale in letzter Zeit auch öfters als Filmset z.B. in dem neuesten Film über Elisabeth I. zu sehen.
Den Nachmittag habe ich an dem Fluß "Great Ouse" verbracht, mir die netten kleinen Hausboote angesehen und bei einem Eis die Sonne genossen.
Zurück in Cambridge ging es dann auf Einladung eines anderen deutschen Studenten hier zu einem Formal Dinner im ältesten College Peterhouse. Das muss man sich so vorstellen: In der Hall sitzen vor Kopf an einem Tisch die Fellows des Colleges, in Reihen senkrecht dazu die Studenten an langen Tischen. Bei einer Formal Hall muss man sich schick anziehen, Männer auf jeden Fall in Anzug und mit Krawatte und alle Studenten des Colleges müssen die "Gown", eine schwarze Robe, anziehen. Normalerweise wird zunächst ein Gebet gesprochen, auch mal auf Latein, dann gibt es ein Drei-Gänge-Menü.
Das Dinner, bei dem ich war, war da etwas lockerer, weil keine Fellows anwesend waren. Wir waren mit einer großen deutschen Gruppe dort und ich konnte den Brauch des "Pennyen" kennenlernen, bei dem man eigentlich heimlich (da es verboten ist) einen Penny in sein Weinglas geworfen bekommt, das man dann auf Ex trinken muss. Dann kann man die Queen auf dem Penny vor dem Ertrinken retten. Aufgrund fehlender Fellows und so fehlender Disziplin machten gleich mehrere Pennys die Runde, so dass mein Nachbar schon sehr bald sämtlichen Wein in der Nähe geleert hatte. Nach dem Dinner haben wir dann noch einige Collegebars unsicher gemacht. Auf jeden Fall muss ich noch mal zu so einem Dinner gehen, wenn es auch richtig "streng" zugeht.
Am Sonntag war dann nicht so viel los, beim Einkaufen (ja, die Geschäfte haben auch am Sonntag auf hier) bin ich an der Cam auf eine kleine Ruderregatta gestoßen, die ich mir dann auch gleich mal angesehen haben. Verschiedene Ruderclubs von Stadt und den Colleges sind dort angetreten, immer zwei gegeneinander, denn für mehr reicht der Platz auf der Cam auch nicht. Und so manches Rennen wurde durch eine Kollision entschieden.
Jetzt geht die Laborwoche wieder los und ich hatte nach einem ganz erfolgreichen Tag gestern (für die Chemiker: meine Soxhlett-Extraktion übers Wochendende hat funktioniert) heute einen Rückschlag: mein Vakuum war total schlecht, die Pumpe tats aber noch und wir konnten keine undichte Stelle in der Line finden. Wir dachten schon, das elektronische Manometer sei kaputt und haben so ein Quecksilberteil aus dem letzten Jahrhundert hervorgeholt. Pustekuchen! Naja, im Endeffekt hab ich doch eine neue Pumpe bekommen und wir vermuten, dass die alte nicht konstant gepumpt hat. Außerdem hab ich ein seltsames NMR bekommen, das ein H-Signal bei ca. 15 (!) ppm aufweist. (Falls irgendwer Ahnung hat, was das sein könnte, bitte melden, ich vermute ja eine komische Wasserstoffbrückenbindung). In Münster wüsste ich, wen ich fragen müsste ;-).
Neben dem "easy organic stuff" mache ich mittlerweile auch "richtige" Chemie unter Argon und in der Glovebox.
Und nächste Woche geht es nach London, aber davon später mehr.
Bis dann
Tine

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren